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20.02.2015 0

Die Geräusche des Stroms: Künstler macht EVI-Strom hörbar

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Es war schon eine etwas ungewöhnliche Anfrage, mit der sich Kathrin Meyer, die Künstlerische Leiterin des Kunstvereins in Hildesheim, Ende Januar an die Pressestelle der EVI Energieversorgung Hildesheim (EVI) wandte: „Kann der Berliner Künstler Moritz Fehr Tonaufnahmen in einem Umspannwerk der EVI für eine Ausstellung des Kunstvereins machen?“ 

Na klar können die Aufnahmen gemacht werden! Andreas Netzlaff, der Verantwortliche für den Stromnetzbetrieb der EVI, ist bei der Aktion sofort dabei, wenn zunächst auch etwas skeptisch. „Na, das ist ja mal was ganz Neues“, lautet sein erster Kommentar. In dieser Woche hat das Treffen mit Moritz Fehr und Kathrin Meyer stattgefunden. „Bitte nichts anfassen. Am besten die Hände in den Taschen lassen. Hier herrscht eine Spannung von 20 Tausend Volt“, begrüßt Netzlaff die Besucher.

Und dann geht es los. Moritz Fehr schreitet langsam mit seinem Mikrofon im Umspannwerk auf und ab, verweilt hier und da, stellt immer wieder Fragen an Andreas Netzlaff und dann heißt es für einige Minuten ganz still sein. Die Aufnahmen starten und zu hören ist dann auch ohne Spezialmikrofon ein permanentes leises Flirren und Surren: die Geräusche des Stroms. Nachdem die Aufnahmen im Inneren des Gebäudes fertig sind, werden noch einige auf dem Außengelände getätigt. Hier sind allerdings die Umgebungsgeräusche zu laut, so dass sie nicht verwendet werden können.

Die Tonaufnahmen, die mit besonders sensiblen Spezialmikrofonen, die feinste Schwingungen erfassen können, gemacht wurden, bilden die Grundlage für eine Soundinstallation, die im Rahmen des Hildesheimer Stadtjubiläums zum Thema "Die unsichtbare Stadt" im Kehrwiederturm gezeigt werden soll. Bei der Installation geht es um Strom als etwas, das unser Leben bestimmt, so gut wie immer vorhanden ist, aber lautlich unter normalen Umständen nie in Erscheinung tritt.

 

Unser Termin mit Kathrin Meyer und Moritz Fehr ist nach etwa 1,5 Stunden vorbei. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im Kehrwiederturm und auf ein Wiederhören mit unserem Strom bei der Ausstellung von Moritz Fehr, die vom 18. April bis zum 17. Juni im Kehrwiederturm stattfindet. Ausstellungseröffnung ist am 16. April ab 19 Uhr. Die Ausstellung, die vom Land Niedersachsen und der Friedrich Weinhagen Stiftung gefördert wird,  ist Teil des Jubiläumsprogramms „Hildesheim 2015“. Mehr zum Kunstverein unter: www.kunstverein-hildesheim.de

Moritz Fehr (*1981) arbeitet in den Bereichen der Sound Art und des Experimentalfilms. Er hat Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar und an der Tokyo National University of the Arts studiert. Zurzeit beendet er seine Dissertation im Fachbereich Bildende Kunst an der Bauhaus- Universität und dem Studio für elektroakustische Komposition (SeaM) an der Franz-Liszt-Akademie, Weimar. Moritz Fehr erhielt Stipendien des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) für Aufenthalte in Japan und den USA, sowie von der Bauhaus Research School Weimar und dem Land Thüringen.

Fehrs Arbeiten wurden unter anderem in folgenden Institutionen gezeigt: Arko Art Center (Seoul), The Museum of Jurassic Technology (Los Angeles), European Media Arts Festival (Osnabrück), Filmwinter (Stuttgart), The Museum of Asian Art (Berlin), ZAIM Annex (Yokohama), Youkobo Art Space (Tokyo), The Isabella Steward Gardner Museum (Boston), After the Butcher Gallery (Berlin), Ethnologisches Museum (Berlin) und Kunstsaele (Berlin). Seine Sound- und Radioarbeiten wurden ausgestrahlt auf WDR3 und Deutschlandradio Kultur (Klangkunst). Zwei seiner Klanginstallationen sind dauerhaft installiert im Velaslavasay Panorama (Los Angeles) und dem Jerusalem Panorama (Altötting, Deutschland).

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